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Beschreibung:
Bernhard Crusell Klarinettenkonzerte Erich Hoeprich, Klarinette Kölner Akademie Michael Alexander Willens CD-Kritik: Bernhard Crusell war „der beliebteste schwedische Komponist“ (so die Allgemeine Musikalische Zeitung im Jahre 1827). Heutzutage allerdings scheint Crusell keine Bedeutung im Musikleben mehr zu haben, ausgenommen vielleicht einige Duowerke für Klarinette, die im Unterricht Verwendung finden. Ansonsten ist es um den ehemals beliebtesten schwedischen Komponisten eher still. Das Label Ars Produktion (Schumacher) bringt nun drei Klarinettenkonzerte Crusells als erste Folge der Reihe „Forgotten Treasures“ auf den Markt. Das zeugt von kaufmännischem Mut und Vertrauen in die Interpreten. Was diese allerdings auch verdienen, denn sowohl der Solist Eric Hoeprich wie auch das begleitende Orchester, die ausgezeichnet agierende Kölner Akademie unter der Leitung von Michael Alexander Willens sind über jeden Zweifel erhaben. Mit Leidenschaft und Hingabe reanimieren sie den in der finnischen Musikgeschichte als kleinmeisterlichen Vorläufer Sibelius’ bezeichneten Komponisten Bernhard Crusell. Virtuosität nicht nur als Fassade Enthalten sind auf dieser SACD drei Klarinettenkonzerte Crusells, entstanden zwischen 1811 und 1822. Das erste Konzert in Es-Dur op. 1 vereint einen divertimentoartigen Eingangssatz mit horrenden Anforderungen an den Solisten mit zuweilen richtig deftigen Passagen, in denen Trompeten und Pauken kräftig zulangen dürfen – eher eine Seltenheit für Konzerte des frühen 19. Jahrhunderts. Der ausgezeichnete Solist Eric Hoeprich, verantwortlich für die „Ausgrabung“ dieser kostbaren Schätze, setzt eine Kopie des von Crusell ab 1811 eingesetzten Instruments Dresdener Herkunft mit elf Klappten ein. Und auch das Begleitensemble hält sich nicht nur an die Besetzungsstärke der Aufführungen in Crusells Zeit, sondern verwendet zudem Kopien historischer Instrumente; auch die Ensembleanordnung gehorcht historischen Gepflogenheiten. Was die Interpretation angeht, so bleiben keinerlei Wünsche offen. Das Orchester agiert unter der Leitung von Michael Alexander Willens auf allerhöchstem Niveau. Die Kontraste werden ebenso deutlich manche kompositorische Schwachstellen offen gelegt werden – Musizieren mit offenem Visier und absoluter Akkuratesse. Willens schlägt stets lebhafte Tempi an, die aber keinesfalls verhetzt wirken. Er lässt das Ensemble nach Gewohnheiten des frühen 19. Jahrhunderts phrasieren, betont tänzerisch, leicht, ein wenig spitz und stets mit rhythmischem Drive. Der Orchesterklang gelang sehr transparent; vor allem die antiphonische Aufstellung der Geigen führt zu einem breiten und sehr differenzierten Klangbild. Im Großen und Ganzen lässt Willens seine Musiker sehr kontrastreich spielen, sowohl was die Abgrenzung rhythmisch belebter Abschnitte von lyrischen Passagen betrifft als auch was die Dynamik anbelangt. Ohne technische Schwierigkeiten Der Solist Eric Hoeprich meistert seinen Part mit äußerster Hingabe, leidenschaftlichem Impetus und subtiler Gestaltung. Vor allem das f-Moll-Konzert op. 5 (1815) wirkt in seiner Interpretation wie eine Verlängerung der Sturm-und-Drang-Musik eines Carl Philipp Emanuel Bach ins 19. Jahrhundert hinein, gewürzt mit harmonischen Überraschungseffekten und den technischen Möglichkeiten der Klarinette. Crusell zieht in seinen Konzerten alle Register des Machbaren, ohne jedoch alles der Virtuosität unterzuordnen. Die Klarinette fügt sich vielmehr in das Orchester ein, tritt zeitweise hervor und zieht sich im nächsten Moment wieder ein wenig zurück. Hoeprich gestaltet den Part sehr gefühlvoll und nutzt die von Cursell angelegten Eigenheiten der Phrasierung, um den Solopart sehr abwechslungsreich und differenziert zu gestalten – ein Genuss für die Sinne. Vorzügliche Produktion Die klangliche Realisierung (im mehrkanaligen Format ebenso wie im zweikanaligen) ist sehr gut gelungen. Die Balance zwischen Orchester und Solist ist perfekt, der Klang der historischen Instrumente wurde bestens eingefangen, der Ensembleklang ist durchsichtig, ohne in Partikel zu zerfallen. Ein besonderes Lob verdient auch der vom Solisten geschriebene Einführungstext, der deutlich macht, dass Hoeprich nicht nur hervorragender Klarinettist ist, sondern auch ein versierter Historiker. Interpretation: **** Klangqualität: **** Repertoirewert: **** Booklet: ***** Fazit: Hervorragende Reanimierung von Tobias Pfleger, 15.07.2006
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